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Feminismus & Ich

feminismus und ich

Ich bin Feministin.

Wieso?

Weil ich in einem der sichersten Länder der Welt lebe, und doch nachts allein auf der Strasse die Finger fest um meinen Pfefferspray geklammert halte. Nur für den Fall.

Weil jede einzelne meiner Freundinnen und Bekannten mindestens ein gravierendes Erlebnis hatte, in der sie wegen ihres Geschlechts in eine erniedrigende oder gar bedrohliche Situation geraten ist.

Weil mein “Nein” von einem ungewollten Verehrer erst dann akzeptiert wird, wenn ich sage, dass ich einen Freund habe. Weil ich nur respektiert werde, wenn ich der Besitz eines anderen Mannes bin.

Weil ich mich selber immer wieder dabei erwische, wie ich andere Frauen in meinem Kopf für Makel kritisiere, die ich selber auch habe. Die natürlich sind. Die nicht den Wert eines Menschen bestimmen sollten.

Weil ich für dasselbe Produkt fast das Doppelte zahle wie meine männlichen Mitmenschen, nur weil meins in einer pinken Verpackung steckt.

Weil ich mich ab einem gewissen Alter für eine Karriere oder eine Familie entscheiden werden muss. Und weil es keine Rolle spielt, welche ich wähle, denn beide sind falsch.

Weil wir Männern schon im Kindesalter eine falsche Männlichkeit aufzwingen. Weil Gefühle zeigen nur etwas für Mädchen ist. 

feminismus und ich, bild: rora blue

Picture by Rora Blue – Handle With Care

Weil ich mir selber die Schuld gebe, wenn ich begrabscht oder mit wüsten Catcalls bedacht werde, denn vielleicht ist mein Rock ja wirklich etwas zu kurz.

Weil wir Frauen sagen, sie sollen nicht aufreizend tanzen, damit sie im Club nicht sexuell belästigt werden. Weil wir Männern nicht sagen, ein kurzer Rock oder ein Tanz sind kein Freifahrtschein.

Weil wir Männern unterstellen, dass sie einfach Opfer ihrer Triebe sind und sich nicht beherrschen können.

Weil es immer noch Länder auf dieser Welt gibt, in denen Mädchen weniger wert sind. In denen Mädchen leiden müssen, benachteiligt werden, keine Chancen haben. Wegen ihrem Geschlecht.

Weil Väter in der Gesellschaft sowohl vom Gesetz wie auch vom Arbeitgeber benachteiligt werden. Weil wir in der Schweiz noch immer keinen richtigen Vaterschaftsurlaub haben.

Weil es immer noch Leute gibt, die Abtreibungen verbieten wollen. Die einer Frau das Recht am eigenen Körper absprechen wollen, sobald sie einen kleinen Haufen Zellen in sich trägt.

Weil gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder adoptieren dürfen, während Waisenkinder in überfüllten Systemen ohne Eltern aufwachsen müssen.

Ich könnte ewig weiterschreiben. Es gibt so viele Gründe. Am Ende zählt nur eines wirklich.

Ich bin Feministin. Und du?

 

Header: Rora Blue – Handle With Care

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