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Filmreview: The Circle (2017)

filmreview the circle

Gestern hatte ich das Vergnügen, an der Opening Night des Allianz Cinema in Zürich die Schweizer Vorpremiere von «The Circle» mit Emma Watson, Tom Hanks und John Boyega schauen zu dürfen. Mit leckerem Catering, gratis Drink und einem gratis Ben&Jerry’s Glacé hat der Abend schon mal sehr vielversprechend angefangen. Und trotz einem kurzen überraschenden „Regensprutz“ hatte Petrus dann Gnade und wir konnten den Film im Trockenen schauen.

Plot

Der Film handelt von der jungen Mae Holland (Emma Watson), die in einem langweiligen Job im Kundenservice für ein Wasserwerk festhängt. Ihr Vater ist an Multipler Sklerose erkrankt und die Familie kann sich seine Behandlung kaum leisten, weswegen sie sich durch den Job quält. Eines Tages erhält sie durch ihre Freundin Annie die Chance ihres Lebens: Ein Vorstellungsgespräch bei der “besten Firma auf der Welt” – The Circle.

Mae erhält den Job und ihr Leben verändert sich schlagartig zum Guten hin. Doch bald verschwimmt die Grenze zwischen Privatsphäre und Überwachung und Mae wird in einen Kampf um Macht, Geld und Technologie hineingezogen.

Kritik

Da ich das Buch leider verloren habe, bevor ich es fertig lesen konnte, wusste ich nicht, was mich bei diesem Film erwarten würde. Da mir der erste Teil, den ich gelesen habe, aber sehr gefallen hat, hab ich mich sehr darauf gefreut!

Angefangen hat der Film sehr angenehm. Mae ist – wenn auch etwas fade und eindimensional – ein sympathischer Charakter. Der Film nimmt sich genug Zeit, ihr Leben und ihre Situation ein bisschen auszuleuchten, bevor sie zu ihrem Abenteuer beim Circle aufbricht.

Von da an geht’s dann aber auch stetig ein bisschen bergab. Der Film reisst viele wahnsinnig spannende Themen an. Privatsphäre, technologische Fortschritte, Überwachung vom Staat wie auch von privaten Firmen, das Verkaufen von persönlichen Daten, die durch das Onlineverhalten erfasst werden… Klingt alles wahnsinnig interessant, oder?

Verpasste Chancen

Leider verpasst der Film aber die Chance, diese Themen wirklich glaubwürdig rüber zu bringen. Zwar werden die absurden Gepflogenheiten die bei The Circle herrschen in einigen Szenen angeschnitten und auch als solche hingestellt. Zum Beispiel in der Szene, in der ihre neuen Arbeitskollegen sie mit freundlich lächelnden Gesichtern dafür rügen, nicht auf Social Media aktiv und am Wochenende nach Hause gefahren zu sein – anstatt alles mit den Kollegen zu teilen und sogar die Freizeit bei The Circle zu verbringen. Diese absurd überzogenen Verpflichtungen, zum gläsernen Mensch zu werden, werden also gezeigt – doch weder der Film noch seine Protagonisten ziehen irgendwelche Schlüsse daraus.

Mae und ihre Arbeitskollegen akzeptieren die Verhältnisse, diese aberwitzigen Vorschläge und Experimente des Unternehmens einfach. Sind meistens sogar restlos von Ideen begeistert, die im realen Leben sicherlich einen guten Prozentsatz an Skeptikern hervorbringen würden. Das einzige Mal, dass man im Film von einer Art Kritik oder wenigstens Skepsis etwas mitbekommt, ist durch die Einblendung von kleinen Sprechblasen, welche Kommentare von Maes Fans aus der ganzen Welt darstellen sollen. Ansonsten? Fehlanzeige.

Der Groschen fällt nicht

Selbst als das wirklich Schlimmste passiert und jemand Unschuldiges stirbt, scheint bei Mae und ihren Kollegen einfach kein einziger Funken Misstrauen oder Zweifel aufzukommen. Der grosse Groschen, den man den Film hindurch erwartet, fällt und fällt einfach nicht. Frustrierend!

So fühlt sich der Film am Ende leider wie ein einziger, grosser Flickenteppich an. Es fehlt an allen Ecken und Enden an schlüssigen Erklärungen, logischen Schlüssen und beendeten Storylines. Der Film lässt so viele offene Fragen, dass man sich nach den Credits fragt, ob das wirklich der ganze Film gewesen sein kann.

Emma Watson – neben Tom Hanks klar das Aushängeschild des Films – gibt sich zwar Mühe, konnte dem Charakter von Mae schlussendlich aber auch nicht mehr Tiefe geben, als das Arbeitsmaterial erlaubte. John Boyegas Rolle war noch viel trauriger – knapp drei oder vier Szenen sind ihm im ganzen Film vergönnt.

Fazit

Alles in allem war ich von dem Film eher enttäuscht und vor allem: verwirrt. Was uns die Filmmacher damit sagen wollten, kann ich euch ehrlich gesagt auch nicht sagen. «The Circle» ist ein durchschnittlicher Thriller, der gerne mehr gewesen wäre, aber am Thema gescheitert ist, weil er eben halt zu viel auf’s Mal sein wollte. Was ein pointierter Film zu einem sehr aktuellen Thema hätte sein können, wurde leider zu einem Durcheinander, das nichts zur Diskussion beibringt.

Meine persönliche Empfehlung ist: Muss man nicht unbedingt im Kino gesehen haben. Schaut lieber noch mal Wonder Woman

 

Score: ★★☆☆☆ (2 von 5 Sternen)

 

«The Circle» von Patty Jenkins, mit Emma Watson, Tom Hanks und John Boyega, Kinostart: 14. September 2017

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